

Der Briloner Schnadezug gehört zu den originellsten und traditionsreichsten Festen in Deutschland.
Schnadezüge dienten in früherer Zeit dazu, den Gemeinbesitz festzustellen und zu bewahren (Schnade = Grenze). Beim Abschreiten der Gemarkungsgrenze wurden Schnadesteine gesetzt und daraufhin überprüft, ob sie auch unverrückt geblieben waren. Die jungen Männer sollen sich zudem fest einprägen, wo Brilon anfängt und aufhört. Zu diesem Zweck wurden sie ergriffen und ein wenig unsanft mit ihrem edelsten Körperteil auf die Schnadesteine gestutzt.
Auch heute ist dies noch ein ungeschriebenes Gesetz: „Wer erstmals in der Schnadebrüder Mitte sich auf dem Lagerplatz froh bewegt, wird fluge gestutztäst nach ererbter Sitte“.
Der Briloner Schnadezug ist schon 1388 belegt und kann somit auf eine über 600-jährige Tradition zurückblicken.
Alle zwei Jahre (2008, 2010,...) wird jeweils etwa ein Fünftel der alten Stadtgrenze umrundet, wobei die einzelnen Abschnitte eine Länge von 23 bis 45 km aufweisen. Die alte Briloner Stadtgrenze wird also in zehn Jahren einmal ganz abgelaufen und jeder der Schnadeabschnitte in zehnjährigem Rhythmus begangen.
Jeder Abschnitt kennt einen traditionellen Frühstücks- und Lagerplatz, wo der Anlaß zünftig gefeiert wird.
Auf dem Lagerplatz treffen die Schnadegänger dann ihre „besseren Hälften“, denn Frauen haben nach wie vor beim Schnadegang nichts verloren.
Die Schnadegänger versammeln sich um 06.00 Uhr auf dem Marktplatz. Hinter Reitern und Schützen folgt das Fußvolk, begleitet von Musik und Standarte. Ein endloser Zug schlängelt sich durch Wald und Flur.
Am Abend schließlich ziehen alle, Männer, Frauen und Kinder, unter Glockengeläut wieder in die Stadt ein und umschreiten dreimal den Petrusbrunnen, im Volksmund liebevoll „Kump“ genannt.